Archiv der Kategorie '#3 - Oktober 2018'

Die neue Ausgabe ist da!

Die nun dritte Ausgabe der „Theorie und Ungeduld“ zum Thema „Solidarität“ ist erschienen! Ihr wollt sie auch haben? Dann wendet euch an die Falkengliederung eures Vetrauens. Wenn sie dort noch nicht angekommen ist, bestellt welche beim Redaktionskollektiv der Falken Hamburg unter thug-mag@falken-hamburg.de

Nach und nach werde auch hier die Artikel aus der ThUg #3 und weitere Debattenbeiträge veröffentlicht, es lohnt sich also den Blog weiter zu verfolgen

Editorial

Liebe Genoss*innen, Liebe Leser*innen,

Für fast alle aus der Redaktion war es das erste Mal, dass sie ein solches Magazin herausgeben haben, das erste Mal nach Artikeln zu suchen, das erste Mal unbekannten Autor*innen zu antworten und auch das erste Mal ein Editorial zu schreiben. Aber das Heft ist fertig geworden und wir freuen uns sehr. Als wir auf der Bundeskonferenz in Erfurt die erste Ausgabe in den Händen hielten und lasen, wurden wir angefixt, es auch selbst mal zu probieren. Durch die Diskussionen, die wir auf dieser Bundeskonferenz geführt haben, fanden wir auch zum Thema, denn für bessere Antworten auf soziale Ungleichheiten zu streiten, schien uns aktueller, als wir es je erlebt hatten. Wir hatten uns erhofft, dass wir auch neue Leute einbinden können und uns Zeit nehmen werden, uns mit unserem Thema nähergehend zu befassen. Wir hofften, dass wir ungeahnten Input bekommen und uns selbst weiterzubilden. Das alles hat geklappt und wir können es jeder Gliederung nur weiterempfehlen, auch wenn so manche Dinge chaotisch waren oder einfach anstrengend und wir gegen Ende hin feststellen mussten, dass wir schlecht aufgestellt sind mit Korrekturlesenden ohne Legastheniehintergrund. Was wir aber auch sagen können ist: unser Themenheft zur sozialen Frage hat selbst die Soziale Frage zum Vorschein gebracht. So haben wir bei unserer Artikelsuche oft Absagen bekommen: „Keine Zeit, muss arbeiten, studieren, mich ausruhen, schlafen“ oder auch „Das trau ich mir nicht zu, so was kann ich nicht, meine Meinung ist doch nicht so wichtig“. Soweit erst mal keine Überraschung, jedoch hatten wir leider bei unserer Autor*innensuche das Gefühl, dass besonders häufig all jene absagten, die nicht studierten und/oder Frauen* waren. Das macht uns traurig und wütend zugleich. Traurig, weil wir uns an den geschätzten Haltungen und Meinungen nicht weiterbilden, reiben und erhellen lassen können und wütend, weil es uns nicht mal im Umfeld der Falken gelingt, ein gesellschaftlich gelerntes Minderwertigkeitsgefühl nicht wirksam werden zu lassen. Es bleibt noch viel zu tun; allein die Geschlechterquote in unserem Redaktionskollektiv ist nichts worauf wir stolz sein können. Zum Thema Selbstbewusstsein im Zusammenhang mit der Sozialen Frage stolperten wir bei der Vorbereitung unverhofft über eine Anekdote, die Werner Seppmann nach einer Begegnung mit Leo Kofler erinnerlich geblieben ist:

„Wir fuhren Ende der 70er Jahre zu einer gewerkschaftlichen Bildungsveranstal- tung nach Dortmund. Vor Beginn nahm der zuständige Bildungsreferent Kofler beiseite und empfahl ihm – um die »didaktische Absicht der Veranstaltung nicht zu gefährden« – sich einer unverfänglichen Begrifflichkeit zu bedienen: »Mit den Begriffen Klassengesellschaft und Arbeiterklasse können unsere Kollegen nichts mehr anfangen; sie werden eher abgeschreckt.« Kofler begann sein Vortrag mit folgenden Worten: »Liebe Kolleginnen und Kollegen, euer Gewerkschaftssekretär hat mir empfohlen, nicht zu viel über Klassengesellschaft zu reden, weil euch für solche Dinge das Verständnis fehlt. Ich habe aber in der Zeit vor dem Beginn unserer Veranstaltung eine eigenartige Beobachtung machen können. Die ersten von euch, die den Saal betraten, haben sich unsicher und verhalten umgeschaut und zunächst die hinteren Sitzreihen belegt. Welch ein Unterschied gegenüber dem Verhalten eines gutsituierten, bürgerlichen Publi- kums, vor dem ich vor einigen Tagen gere- det habe. Diejenigen, die zuerst den Saal betraten, gingen selbstbewusst zu den ersten Reihen und der Saal füllte sich allmählich von vorne nach hinten. Seht ihr, das ist Klassengesellschaft!« Die Reaktion war zustimmender Beifall.“

Wir wollen euch im Editorial keinen verschriftlichten roten Faden durch das Inhaltsverzeichnis an die Hand geben, da es keinen roten Faden gibt. Wir hatten uns bei der Suche nach Artikeln eine große Anzahl von möglichen und spannenden Unterthemen überlegt und einige davon finden sich auch in diesem Heft wieder. Uns war von Anfang an wichtig, über die Soziale Frage nicht nur abstrakt und theoretisierend zu schreiben, sondern auch konkreten Erfahrungen Raum zu geben, deswegen beginnen wir das Heft mit einem sehr persönlichen Beitrag. In unseren Debatten zum Thema der Ausgabe wurde klar, dass wir nicht nur das offensichtliche Verhältnis zwischen arm und reich in den Blick nehmen wollen, sondern tiefer graben, was sich hinter der, fast schon selbst zu Floskel gewordenen, Sozialen Frage noch verbergen kann: Wo prägen Verteilungsfragen gesellschaftlichen Reichtums und gesellschaftlicher Reichtumsproduktion denn überall die Welt, in der wir leben? Und auf welche Art prägen sie damit auch uns ganz persönlich?

Wir wollen an dieser Stelle auch nochmal alle Lesenden darauf hinweisen, dass es die Möglichkeit gibt Antworten, Kommentare und Diskussionsbeiträge zu erschienenen Artikeln in darauffolgenden Ausgaben zu veröffentlichen oder auf dem Blog allen zur Verfügung zu stellen. Dazu einfach eine Mail an thugmag@riseup.net schicken. Debatten sind also ausdrücklich erwünscht. Auf dem Blog findet ihr auch mittlerweile alle Artikel der ersten Ausgabe, falls ihr zu spät für ein gedrucktes Exemplar gewesen seid.

Freundschaft!
Euer Redaktionskollektiv, Mai 2018

Aufruf für Debattenbeiträge zur 3. Ausgabe des ThUg Magazine

Aufruf für Debattenbeiträge:
ThUg Magazine

Theorie & Ungeduld – ein neues Debattenorgan der SJD – Die Falken
#3

Bundesweit haben sich einige Falken-Gliederungen zusammengetan, um eine neue TheorieZeitschrift, die als Debattenorgan für Aktive der Sozialistischen Jugend fungieren soll, zu gründen. Ziel ist die Reflexion unserer pädagogischen und politischen Praxis. Jedes Mal wird es einen Themenschwerpunkt geben, der in Form von Artikeln und Rezensionen bearbeitet wird. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, auf Beiträge vorheriger Ausgaben zu reagieren. Die erste Ausgabe ist zur Bundeskonferenz 2017 erschienen. Die Zeitschrift soll in unregelmäßigen Abständen (etwa einmal im Jahr) erscheinen. Die zweite Ausgabe ist zur Verbandswerkstatt 2018 geplant. Die dritte Ausgabe zum Herbst-BA 2018. Jedes Mal übernimmt eine andere Gliederung die Redaktion. Die erste Redaktion hat der Landesverband Thüringen übernommen. Die zweite Ausgabe wollen die Falken aus Nürnberg erstellen, die dritte Ausgabe wird vom Landesverband Hamburg übernommen.

Die zweite Ausgabe des ThUg Magazine steht in den Startlöchern – und hiermit ergeht jetzt schon der Aufruf für die dritte Ausgabe für Artikel und Beiträge, diesmal zum Thema ‚Solidarität‘.
Wir haben unten Themenaspekte und Fragen, die wir für eine verbandliche Auseinandersetzung fruchtbar und spannend finden, zusammengestellt und freuen uns, wenn sie euch inspirieren. Ebenso freuen wir uns über Beiträge, die Facetten beleuchten, die wir nicht benannt haben. Es gibt erst einmal keine allgemeinen Vorgaben zum Umfang eines Beitrags. Dieser wird in Absprache mit der Redaktion festgelegt. Wenn du Lust hast, einen Beitrag zu verfassen, melde dich bei thug-mag@falken-hamburg.de.
Die NEUE Deadline für Beiträge für die dritte Ausgabe ist der 3.April 2018.

Themenschwerpunkt #3:
Zur Bedeutung von Solidarität für sozialistische Praxis
Theoretische Reflexionen auf Bildung und Politik

Solidarität ist ein zentraler Begriff in der linken Bewegung und auch bei den Falken. Im Gegensatz zu seinen historisch-inhaltlichen „Verbündeten“, der Freiheit und der Gleichheit, hat Solidarität ziemlich lange eher ein Schattendasein gefristet. In der letzten Zeit jedoch scheint der Begriff ein gewisses Comeback zu erleben. Solidarität ist auch ein Begriff aus der Zeit der bürgerlichen Revolution (als ‚Brüderlichkeit‘ z.B. der französischen Revolution), der dort und in der Folge stark durch die Arbeiter_innen-Bewegung geprägt wurde. Zudem spielte und spielt er in der Praxis der Sozialistischen Jugend ein zentrale Rolle, ist für viele im Verband lebendig und positiv besetzt. Den Begriff Solidarität zu schärfen und die politische Auseinandersetzung und pädagogische Praxis der Falken zu stärken, ist das Ziel des Themenschwerpunktes.
Themen und Fragen, mit denen sich in Form von Beiträgen auseinandergesetzt werden könnte, könnten sein:

Solidarität in der verbandlichen Praxis
Welche Rolle spielt Solidarität in Zeltlagern der Falken? Was lässt sich aus der Praxis der Gruppenarbeit über Solidarität lernen? Welche Bedeutung haben die (unterschiedlichen) Erfahrungen von Solidarität im Verband für die Gestaltung einer ‚Gegenwelt‘? Wird der sogenannte Soli-Fond seinem Namen gerecht? Drückt der Falken-Gruß ‚Freundschaft‘ Solidarität aus oder geht er darüber hinaus? Welche Bedeutung hat Solidarität in der internationalen Arbeit und in den internationalen Dach- und Schwesterorganisationen der Falken? Lässt sich Solidarität als die revolutionäre Praxis einer sozialistischen Utopie verstehen?

Solidarität im globalen Kontext

Was kann internationale Solidarität heute heißen? Ist Europa ein solidarisches Projekt oder kann es eines werden? Wie kann sich mensch solidarisieren ohne paternalistisch zu werden? Ist Solidarität (von wem mit wem?) eine / die Antwort auf globalisierte Konzerne und Freihandel? Ist ‚Willkommenskultur‘ (un)solidarisch? Welche Bedeutung hat Solidarität mit und unter Geflüchteten? Kapern die neuen Nazis den Solidaritätsbegriff?

Grundlagen der Solidarität

Braucht Solidarität Gemeinsamkeit(en)? In welchem Verhältnis stehen Solidarität und Ausschluss/ Abgrenzung zu einander? Birgt Solidarität die Gefahr von Unterdrückung des Individuums unter die ‚Gemeinschaft‘? Wie ist das Verhältnis von Solidarität und autoritären Strukturen? Ist Solidarität bei ausdifferenzierten Lebensstilen/Milieus möglich? Ist die Basis von Solidarität ein gemeinsames Unterworfensein unter Abhängigkeitsverhältnisse? Müssen wir von Solidaritäten sprechen? Was unterschiedet Solidarität von Mitgefühl? Ist Solidarität ein rationales, ein emotionales oder ein moralisches Konzept? Was ist solidarische Praxis im Alltag kapitalistischer Widersprüchlichkeit?

Solidarität und Arbeit

Was unterscheidet ein sozialistisches Verständnis von Solidarität von einem bürgerlichen? Ist es die Aufgabe der sozialistischen Arbeiter_innen-Bewegung, die von der bürgerlichen Revolution versprochene Solidarität zur Durchsetzung zu bringen? Wenn der aktuelle Grad der Arbeitsteilung die Menschen so aufeinander angewiesen macht wie niemals zuvor und gleichzeitig das individuelle Autonomieempfinden ebenfalls hoch ist, ist Solidarität dann ein zielführendes Konzept? Kann es eine Revolution ohne Solidarität geben? Was nützen Solidaritätsadressen in Arbeitskämpfen? Was lässt sich aus Streik(erfahrungen) über Solidarität lernen? Ist Solidarität im digitalen Zeitalter möglich und/oder notwendig? Was kann Solidarität in der Leistungsgesellschaft bedeuten?

Aufruf zu Beiträgen:
Erkenntnisse lassen sich aus ganz unterschiedlichen Formen gewinnen – jede Gruppenhelferin, jeder Gruppenhelfer der SJD – Die Falken kann ein Lied davon singen. Deswegen können wir uns ganz unterschiedliche Beitragsformen vorstellen: Neben der klassischen Form eines Artikels oder Thesen und Argumentationen zu einer der oben genannten Fragen/Themen beispielsweise auch die Besprechung eines Gemäldes, welches Aspekte von Solidarität auf besondere Weise Ausdruck verleiht, die Rezension eines Romans, in dem solidarische Handlungen und deren Verstrickung ausgeleuchtet werden, ein eigenes Gedicht, eine Filmbesprechung oder -empfehlung, die verdichtete Beschreibung einer Erfahrung, ein Interview, ….

Aufruf für Bilder, Plakate, …

Außerdem starten wir hiermit einen Aufruf, uns Fotos von Aufrufen, Plakaten, Artikeln, Flugblättern, dich sich auf Solidarität beziehen, zu senden, weil damit möglicherweise die Ausgabe bebildert werden kann.