Archiv für Januar 2018

Rechtsruck in Europa

von SJD Die Falken KV Stuttgart, erschienen in ThUg Magazine #1

Überall in Europa sind rechte und rechtsradikale Parteien auf dem Vormarsch. In Ungarn und Polen sind sie Regierungsparteien, in anderen europäischen Staaten stehen sie kurz davor, so der Front National in Frankreich und die FPÖ in Österreich. In Großbritannien repräsentiert die Brexit-Partei UKIP den Mehrheitswillen und in Deutschland erreicht die AfD zwischen 10 und 20 Prozent der Wahlstimmen. Die Programmpunkte dieser Parteien sind dem/der informierten Zeitgenoss*in gar nicht unbekannt: Sie sind für das Volk, für die Kernkraft und die Familie, gegen Homosexuelle und Gender-Mainstreaming, gegen Brüssel und den Euro, gegen Amerika und für Putin. Vor allem aber – und damit gewinnen sie die Wahlen nicht nur in Deutschland: Sie sind gegen Flüchtlinge, gegen Ausländer*innen, gegen den Islam, für Leitkultur und Volksgemeinschaft.
Von der demokratischen Mitte der Gesellschaft werden die Rechten als Dummköpfe und Anhänger*innen falscher Werte gebrandmarkt, die zu dem modernen und weltoffenen Europa nicht passen. Gleichzeitig gibt es viel Verständnis für das Wählen rechter Parteien, besonders, wenn es sich um die ‚Unterschicht‘ des jeweiligen Landes handelt: Vernünftig sei es zwar nicht, aber durchaus nachvollziehbar, dass „solche“ die Rechten wählen. Dieses Verständnis handelt sich damit allemal einen Widerspruch ein: Wenn das nicht vernünftig ist, dann sollte man es auch nicht für logisch halten. Wer das für logisch hält, äußert damit immerhin, dass sie oder er den Rechtsruck dieser Leute für eine einleuchtende und nachvollziehbare Sache hält. Mit dem ausgrenzenden Hinweis „Rassisten“ usw. und mit dem Verständnis für den Rechtsruck als für diese Leute logisch erspart man sich zu ermitteln, was die Rechten wie ihre Wähler*innen für Fehler machen und was an ihnen politisch ist; welcher Gedanke dieses Sammelsurium von Positionen zusammenhält und den Standpunkt der Rechten insgesamt ausmacht – und wie der zur offiziellen deutschen Politik steht. Darum soll es in diesem Artikel gehen.

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Aufruf für Debattenbeiträge zur 3. Ausgabe des ThUg Magazine

Aufruf für Debattenbeiträge:
ThUg Magazine

Theorie & Ungeduld – ein neues Debattenorgan der SJD – Die Falken
#3

Bundesweit haben sich einige Falken-Gliederungen zusammengetan, um eine neue TheorieZeitschrift, die als Debattenorgan für Aktive der Sozialistischen Jugend fungieren soll, zu gründen. Ziel ist die Reflexion unserer pädagogischen und politischen Praxis. Jedes Mal wird es einen Themenschwerpunkt geben, der in Form von Artikeln und Rezensionen bearbeitet wird. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, auf Beiträge vorheriger Ausgaben zu reagieren. Die erste Ausgabe ist zur Bundeskonferenz 2017 erschienen. Die Zeitschrift soll in unregelmäßigen Abständen (etwa einmal im Jahr) erscheinen. Die zweite Ausgabe ist zur Verbandswerkstatt 2018 geplant. Die dritte Ausgabe zum Herbst-BA 2018. Jedes Mal übernimmt eine andere Gliederung die Redaktion. Die erste Redaktion hat der Landesverband Thüringen übernommen. Die zweite Ausgabe wollen die Falken aus Nürnberg erstellen, die dritte Ausgabe wird vom Landesverband Hamburg übernommen.

Die zweite Ausgabe des ThUg Magazine steht in den Startlöchern – und hiermit ergeht jetzt schon der Aufruf für die dritte Ausgabe für Artikel und Beiträge, diesmal zum Thema ‚Solidarität‘.
Wir haben unten Themenaspekte und Fragen, die wir für eine verbandliche Auseinandersetzung fruchtbar und spannend finden, zusammengestellt und freuen uns, wenn sie euch inspirieren. Ebenso freuen wir uns über Beiträge, die Facetten beleuchten, die wir nicht benannt haben. Es gibt erst einmal keine allgemeinen Vorgaben zum Umfang eines Beitrags. Dieser wird in Absprache mit der Redaktion festgelegt. Wenn du Lust hast, einen Beitrag zu verfassen, melde dich bei thug-mag@falken-hamburg.de.
Die NEUE Deadline für Beiträge für die dritte Ausgabe ist der 3.April 2018.

Themenschwerpunkt #3:
Zur Bedeutung von Solidarität für sozialistische Praxis
Theoretische Reflexionen auf Bildung und Politik

Solidarität ist ein zentraler Begriff in der linken Bewegung und auch bei den Falken. Im Gegensatz zu seinen historisch-inhaltlichen „Verbündeten“, der Freiheit und der Gleichheit, hat Solidarität ziemlich lange eher ein Schattendasein gefristet. In der letzten Zeit jedoch scheint der Begriff ein gewisses Comeback zu erleben. Solidarität ist auch ein Begriff aus der Zeit der bürgerlichen Revolution (als ‚Brüderlichkeit‘ z.B. der französischen Revolution), der dort und in der Folge stark durch die Arbeiter_innen-Bewegung geprägt wurde. Zudem spielte und spielt er in der Praxis der Sozialistischen Jugend ein zentrale Rolle, ist für viele im Verband lebendig und positiv besetzt. Den Begriff Solidarität zu schärfen und die politische Auseinandersetzung und pädagogische Praxis der Falken zu stärken, ist das Ziel des Themenschwerpunktes.
Themen und Fragen, mit denen sich in Form von Beiträgen auseinandergesetzt werden könnte, könnten sein:

Solidarität in der verbandlichen Praxis
Welche Rolle spielt Solidarität in Zeltlagern der Falken? Was lässt sich aus der Praxis der Gruppenarbeit über Solidarität lernen? Welche Bedeutung haben die (unterschiedlichen) Erfahrungen von Solidarität im Verband für die Gestaltung einer ‚Gegenwelt‘? Wird der sogenannte Soli-Fond seinem Namen gerecht? Drückt der Falken-Gruß ‚Freundschaft‘ Solidarität aus oder geht er darüber hinaus? Welche Bedeutung hat Solidarität in der internationalen Arbeit und in den internationalen Dach- und Schwesterorganisationen der Falken? Lässt sich Solidarität als die revolutionäre Praxis einer sozialistischen Utopie verstehen?

Solidarität im globalen Kontext

Was kann internationale Solidarität heute heißen? Ist Europa ein solidarisches Projekt oder kann es eines werden? Wie kann sich mensch solidarisieren ohne paternalistisch zu werden? Ist Solidarität (von wem mit wem?) eine / die Antwort auf globalisierte Konzerne und Freihandel? Ist ‚Willkommenskultur‘ (un)solidarisch? Welche Bedeutung hat Solidarität mit und unter Geflüchteten? Kapern die neuen Nazis den Solidaritätsbegriff?

Grundlagen der Solidarität

Braucht Solidarität Gemeinsamkeit(en)? In welchem Verhältnis stehen Solidarität und Ausschluss/ Abgrenzung zu einander? Birgt Solidarität die Gefahr von Unterdrückung des Individuums unter die ‚Gemeinschaft‘? Wie ist das Verhältnis von Solidarität und autoritären Strukturen? Ist Solidarität bei ausdifferenzierten Lebensstilen/Milieus möglich? Ist die Basis von Solidarität ein gemeinsames Unterworfensein unter Abhängigkeitsverhältnisse? Müssen wir von Solidaritäten sprechen? Was unterschiedet Solidarität von Mitgefühl? Ist Solidarität ein rationales, ein emotionales oder ein moralisches Konzept? Was ist solidarische Praxis im Alltag kapitalistischer Widersprüchlichkeit?

Solidarität und Arbeit

Was unterscheidet ein sozialistisches Verständnis von Solidarität von einem bürgerlichen? Ist es die Aufgabe der sozialistischen Arbeiter_innen-Bewegung, die von der bürgerlichen Revolution versprochene Solidarität zur Durchsetzung zu bringen? Wenn der aktuelle Grad der Arbeitsteilung die Menschen so aufeinander angewiesen macht wie niemals zuvor und gleichzeitig das individuelle Autonomieempfinden ebenfalls hoch ist, ist Solidarität dann ein zielführendes Konzept? Kann es eine Revolution ohne Solidarität geben? Was nützen Solidaritätsadressen in Arbeitskämpfen? Was lässt sich aus Streik(erfahrungen) über Solidarität lernen? Ist Solidarität im digitalen Zeitalter möglich und/oder notwendig? Was kann Solidarität in der Leistungsgesellschaft bedeuten?

Aufruf zu Beiträgen:
Erkenntnisse lassen sich aus ganz unterschiedlichen Formen gewinnen – jede Gruppenhelferin, jeder Gruppenhelfer der SJD – Die Falken kann ein Lied davon singen. Deswegen können wir uns ganz unterschiedliche Beitragsformen vorstellen: Neben der klassischen Form eines Artikels oder Thesen und Argumentationen zu einer der oben genannten Fragen/Themen beispielsweise auch die Besprechung eines Gemäldes, welches Aspekte von Solidarität auf besondere Weise Ausdruck verleiht, die Rezension eines Romans, in dem solidarische Handlungen und deren Verstrickung ausgeleuchtet werden, ein eigenes Gedicht, eine Filmbesprechung oder -empfehlung, die verdichtete Beschreibung einer Erfahrung, ein Interview, ….

Aufruf für Bilder, Plakate, …

Außerdem starten wir hiermit einen Aufruf, uns Fotos von Aufrufen, Plakaten, Artikeln, Flugblättern, dich sich auf Solidarität beziehen, zu senden, weil damit möglicherweise die Ausgabe bebildert werden kann.