#1 – Mai 2017: Editorial

Kommende Woche erscheint die erste Ausgabe des ThUg Magazine – Theorie und Ungeduld. Für euch als kleinen Vorgeschmack – hier das Editorial:

Liebe Genossinnen und Genossen,
Liebe Leserinnen und Leser,

ihr haltet die erste Ausgabe des Magazins für Theorie und Ungeduld – ThUg Magazine – in der Hand. Die Idee hierfür entstand im Zuge des Theorieseminars im SBZ im November 2015 und wurde am Rande des Bundesausschusses in Rostock im März 2016 konkretisiert. Dort war die Überlegung diskutiert worden, von und für die bundesweit organisierten Falken ein Theorie- und Debattenorgan zu entwerfen. Schnell erklärten sich einige Thüringer Genoss*innen bereit, die Verantwortung für die erste Ausgabe zu übernehmen und gründeten zu diesem Zweck dieses Redaktionskollektiv. Es gab einen Aufruf an die Gliederungen, sich mit Artikeln an dem Magazin zu beteiligen, was einige auch taten. Jetzt freuen wir uns, euch anlässlich der Bundeskonferenz 2017 in Erfurt die erste Ausgabe präsentieren zu können!

Der Name der Zeitschrift »Theorie und Ungeduld« verweist darauf, dass man diese Gesellschaft verstehen muss, um sie zu verändern – „Wenn man nicht weß, wat man will, kann man nüscht machen“ – wir uns aber mit bloßer Theoriearbeit nicht begnügen können und wollen. Schließlich wollen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse auch praktisch negieren – mit großer Ungeduld arbeiten wir darauf hin. Die Zeitschrift solle für zweierlei eine Plattform schaffen: Zum einen soll darin eine theoriegeleitete Reflexion der eigenen Praxis, als auch eine Reflexion bestehender Theorie für die eigene Praxis geleistet werden. Zum Anderen soll es Austragungsort innerlinker Debatte sein und dabei Einblick in die heterogenen theoretischen und praktischen Ansätze der verschiedenen Falken-Gliederungen geben, ohne zwangsläufig darauf beschränkt bleiben zu müssen.
Schwerpunkt des ersten Heftes ist das Erstarken der radikalen Rechten in Deutschland und Europa sowie die damit verbundene Ideologien und Formen der politischen Organisation. So wichtig eine Analyse und Reflexion in europäischer, wenn nicht gar weltweiter Perspektive für dieses Unterfangen ist, bildet der deutschsprachige Raum hier dennoch den Fokus. Die Ursache ist so einfach wie banal: Als ein in Deutschland organisierter Verband ist der deutsche Sprachraum überwiegend Ort unserer politischen Kämpfe.

Der erste Beitrag von Michael Dehmlow zeichnet unter der Überschrift »Die Arbeiter und ihr Vaterland« einen Problemaufriss der gegenwärtigen Situation aus sozialistischer Perspektive. Wie kommt es, dass gerade auch Arbeiter*innen offensichtlich lieber die heimelige Nestwärme des Nationalismus wählen, anstatt die soziale Frage zu stellen? Und wie befeuert die AfD das, um daraus politisches Kapital zu schlagen? Die Genoss*innen aus Stuttgart ließen sich von Peter Decker inspirieren und arbeiten in ihrem Artikel »Rechtsruck in Europa« heraus, inwieweit die Kritik und Antwort der Rechten auf die Verwerfungen der Gegenwart unvernünftig und unlogisch sind.
Johannes Hohaus zeigt im Beitrag »Antisemitismus und die Neurechte-Bewegung«, inwiefern die Argumentation der völkischen Rechten von Compact bis AfD nach wie vor grundlegend von Antisemitismus geprägt ist und tritt entschieden für eine klare Differenzierung von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus ein. Franziska Rein greift diese Differenz auf und zeigt unter dem Titel »Zum Verhältnis von Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und rechten Bewegungen« die unterschiedlichen Funktionen dieser Ideologien auf. Auf einen engen Zusammenhang von Geschlecht und Rechtsextremismus weist Jakob Becksmann in seinem Artikel »Von ‚deutschen Männern‘ und ‚deutschen Frauen‘« hin und skizziert die Entwicklung von Geschlechterbildern in den eng gesteckten Grenzen der radikalen Rechten. Der Frage nach rechter Organisierung widmen sich Anna-Lena Heckel und Eric Angermann in ihrem Beitrag »Kampagne für den Menschenhass«. Am Beispiel der sogenannten »Ein Prozent«-Initiative entzaubern sie die vermeintlich bürgerliche Organisationsform der völkischen Rechten in Deutschland und Österreich als Mimikry.
Stefan Weise fragt »Postmoderner Faschismus?« und unternimmt bei Björn Höcke und Viktor Orbán eine Spurensuche nach dem Faschismus in der Postmoderne. In dem Artikel »Alles meta in Eurasien?« lässt Jan Schulz den Blick noch weiter gen Osten schweifen und zeigt die unheimlichen Allianzen des russischen Ideologen Alexander Dugin.
Den Abschluss der ersten Ausgabe bilden ein Kampagnenhinweis unserer Marburger Genoss*innen und zwei Rezensionen. David Pape bespricht »Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten« von Christian Baron und erkennt Parallelen zu Didiér Eribons »Rückkehr nach Reims«. Trotz anregender Lektüre attestiert er Baron einige blinde Flecken. Überhaupt nicht überzeugt zeigt sich Jan Schneider von dem von Stephan Grigat herausgegebenen Sammelband »Postnazismus revisited: Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert«. Ihm sind die Autoren den Beweis des Nachlebens des Nationalsozialismus durch das Prisma »Islam vs. Israel« schuldig geblieben.

Die vorliegende Ausgabe ist vor allem eins – ein erster Versuch, der mühsam begann und dessen weitere Entwicklung ungewiss ist. Ob und wann es eine zweite Ausgabe geben wird, ist von euch abhängig, ob sich ein neues Falken-Redaktionskollektiv gründet, das die Initiative übernimmt. Wenn Du und Deine Genoss*innen Lust und Interesse haben, meldet euch gerne bei uns – wir geben unsere ersten chaotischen Erfahrungen gerne weiter. Also rüttelt die Müdigkeit aus euren Glieder(unge)n und macht mit, macht’s nach, macht’s besser! Freundschaft!

Euer Redaktionskollektiv, Mai 2017


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